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Zentrum Industriekultur

Industriekultur in der Metropole

Im Vergleich zu Ruhrgebiet, Saarland, Lausitz und Sachsen ist der gesellschaftliche Kontext für Industriekultur in Berlin grundsätzlich anders. Zwar gibt es auch hier zahlreiche Initiativen, die sich für den Erhalt von Industriekultur engagieren. Doch von einer vergleichbaren gesellschaftlichen Notsituation kann keine Rede sein.

Die wirtschaftliche Ausgangslage in Berlin ist ebenfalls anders. Gut 20 Jahre nach dem Mauerfall scheint sich die Situation zu normalisieren, und Berlin bemüht sich um eine Re-industrialisierung. Als Standort für innovative Zukunftstechnologien und Neue Industrien soll die Stadt attraktiver und ihre lebendige Industrie stärker wahrnehmbar werden. Denn auf internationalem Parkett gilt Berlin heute eher als Kreativmetropole denn als Industriestadt - und selbst viele Berliner haben kaum Kenntnis von den Unternehmen, die hier zum Teil schon seit über 120 Jahren erfolgreich forschen, entwickeln und produzieren und sich bis heute auf dem Weltmarkt behaupten.

Mit Berlin steht auch erstmals keine Industrieregion, sondern ein industriell definierter Großstadtraum im Mittelpunkt industriekultureller Betrachtung. Die Wirtschaftsstruktur ist sehr viel differenzierter, und als Hauptstadt und internationale Metropole macht Berlin Identifikationsangebote der unterschiedlichsten Art. Was die Arbeitslosenzahlen angeht, kann Berlin zwar durchaus mit den alten Bergbauregionen mithalten - doch Berlin gilt eben auch als die Stadt der Subkultur, als die Stadt, in der es sich gut leben lässt, auch wenn man kein Geld verdient bzw. als die Stadt, in der man kreativ wird und dann davon leben kann... Kurzum: "Berlin ist arm, aber sexy".

Der Industriestandort Berlin entwickelte sich seit dem zweiten Drittel des 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein zur zeitweise größten Metropole auf dem europäischen Kontinent. Mit seiner Elektroindustrie, dem Maschinen- und Eisenbahnbau und der Nachrichten- und Funktechnik schrieb Berlin internationale Wirtschafts- und Architekturgeschichte. Auch die Versorgung der Stadt mit öffentlichen Strom-, Wasser- und Verkehrssystemen hatte weltweit eine Vorbildfunktion. Als "Elektropolis" wurde Berlin zum Synonym einer modernen vernetzten Stadt, in der Technik und Kultur eng ineinander wirkten. Die Stadtlandschaft und das Zusammenleben der Menschen veränderten sich grundlegend.

Diese Geschichte der Industriemetropole Berlin will das Berliner Zentrum für Industriekultur - gerade auch vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen - wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.
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